Thüringen
1   EINLEITUNG

Thüringen, Bundesland in der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Westen an Hessen, im Nordwesten an Niedersachsen, im Norden an Sachsen-Anhalt, im Nordosten und Osten an Sachsen und im Süden an Bayern. Hauptstadt des Bundeslandes ist Erfurt. Weitere große Städte sind Gera, Jena, Weimar, Suhl und Eisenach.

2   LAND

Das 16 251 Quadratkilometer große Bundesland Thüringen liegt im Bereich der Deutschen Mittelgebirgsschwelle. Der Nordwesten und der zentrale Teil des Landes werden vom fruchtbaren Thüringer Becken eingenommen. Südlich davon liegen der Thüringer Wald, mit dem Großen Beerberg (982 Meter) als höchster Erhebung, und das südöstlich angrenzende Thüringische Schiefergebirge. Die Werrasenke im Südwesten wird umrahmt von Thüringer Wald, Vorderrhön, Hoher Rhön und Grabfeld. Im Norden Thüringens gehören Teile des Harzes, der Kyffhäuser sowie der Westteil der Goldenen Aue zu dem Bundesland. Im äußersten Nordwesten befindet sich das Untereichsfeld. Der Osten wird von der Ostthüringisch-Vogtländischen Hochfläche bestimmt, durch die Saale und Weiße Elster fließen.

Das Thüringer Becken, die Orla- und Werrasenke sowie das Unstrut- und Saaletal sind wärmebegünstigt. Der Thüringer Wald ist dagegen rau und niederschlagsreich. Die Jahresniederschläge können hier 1 300 Millimeter übersteigen, während das Thüringer Becken mit nur 450 bis 600 Millimetern zu den niederschlagärmsten Gegenden Deutschlands zählt. Mit einem Waldanteil von 31 Prozent gehört Thüringen zu den waldreichsten Bundesländern Deutschlands. Vorherrschend ist Laubwald, vor allem mit Buchen- und Stieleichen-Birken-Beständen. In den höheren Lagen der Mittelgebirge dominieren Fichten-, Tannen- und Kiefernwälder.

3   BEVÖLKERUNG

Die Einwohnerzahl des Bundeslandes liegt bei 2,5 Millionen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 157 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Thüringen zu den schwächer besiedelten Bundesländern Deutschlands.

4   VERWALTUNG UND POLITIK

Die neue Landesverfassung wurde 1993 verabschiedet. Im Landtag sitzen 88 Abgeordnete, die für fünf Jahre gewählt werden. Thüringen ist in 17 Landkreise und in die fünf kreisfreien Städte Erfurt, Gera, Jena, Suhl und Weimar untergliedert.

5   BILDUNG UND KULTUR

Universitäten gibt es in Erfurt, Weimar, Ilmenau und Jena, Fachhochschulen in Erfurt, Jena und Schmalkalden. Weimar hat eine Hochschule für Musik, Erfurt/Mühlhausen eine pädagogische Hochschule.

Die Städte und Universitäten Thüringens prägten das deutsche Gedankengut vom 14. bis zum 19. Jahrhundert nachhaltig:

Jena war, seit der Gründung der Universität 1558, ein begehrter Studienort: Der freisinnige Geist der Universität zog vor allem im 18. und 19. Jahrhundert bedeutende Persönlichkeiten an: Einer der berühmtesten Professoren der Universität war Friedrich Schiller; er schloss hier mit Johann Wolfgang von Goethe den Freundschaftsbund, der beider Schaffen nachhaltig förderte. Die Stadt war auch Zentrum der deutschen literarischen Romantik und Philosophie. Unter anderem lebten und wirkten in Jena Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Novalis, Friedrich Hölderlin und Clemens Brentano.

Weimar war während des 18. Jahrhunderts (und noch im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts) Zentrum der deutschen (bzw. Weimarer) Klassik und bestimmend für das kulturelle Leben Deutschlands. Hier wirkten die Dichter Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried von Herder und Friedrich Schiller.

Erfurt war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert eine Hochburg des deutschen Humanismus. Die Universität wurde 1392 gegründet und zog viele Gelehrte Europas an. Martin Luther studierte hier von 1501 bis 1505.

6   WIRTSCHAFT

Neben Produkten aus der Metallverarbeitung werden in Thüringen vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien hergestellt. Das Gros der Erwerbstätigen ist in Eisenach und Walthershausen im Fahrzeug- und Maschinenbau beschäftigt sowie in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion (z. B. in Erfurt, Arnstadt, Nordhausen, Gera, Suhl). Darüber hinaus sind Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Hermsdorf, Eisenach, Arnstadt, Sömmerda, Ruhla, Zella-Mehlis, Suhl, Sonneberg und Meiningen von Bedeutung. Weltweit bekannt ist Jena für seinen Präszisionsgerätebau (Sitz des Unternehmens Jenoptik, früher Carl Zeiss Jena).

Ackerbau wird hauptsächlich im Thüringer Becken, in der Orlasenke, in der Goldenen Aue und in dem Gebiet südlich von Altenburg betrieben. Hier werden vor allem Zuckerrüben, Weizen und Gerste angebaut, im Untereichsfeld und im Werragebiet vielfach Tabak. Obst und Gemüse gedeihen besonders in den Flusstälern. Um Erfurt waren Gemüseanbau und Blumenzucht die Grundlage für die Erfurter Saatzucht.

Neben Ackerbau und Industrie ist der Fremdenverkehr ein wichtiger Wirtschaftszweig der Region. Der Thüringer Wald und das Thüringische Schiefergebirge sind im Sommer und im Winter vielbesuchte Erholungsgebiete. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Gute Fernsichten bietet der etwa 160 Kilometer lange Rennsteig, ein Fernwanderweg, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringischen Schiefergebirges entlangführt. Ein bekanntes Wintersportzentrum ist das circa zehn Kilometer nördlich von Suhl gelegene Oberhof im Thüringer Wald.

Seit dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 wurde in Thüringen die sozialistische Planwirtschaft durch die soziale Marktwirtschaft abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Der politischen und wirtschaftlichen Wende fielen zwischen 1989 und 1995 zwei Drittel der alten Arbeitsplätze Thüringens zum Opfer. 1995 betrug die Arbeitslosenquote des Landes zwar noch über 13 Prozent, jedoch schien sich die Wirtschaft des Landes zu erholen: Mit 11,6 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt wies Thüringen das stärkste wirtschaftliche Wachstum unter allen deutschen Bundesländern auf.

7   GESCHICHTE

Thüringen wurde nach dem Stamm der Thüringer benannt, der im 5. Jahrhundert n. Chr. zwischen der Elbe und dem Thüringer Wald ein Königreich gründete. 1130 wurde Thüringen zu einer Landgrafschaft (Land unter gräflicher Gewalt) unter dem Geschlecht der Ludowinger. Im 12. und 13. Jahrhundert war Thüringen ein wichtiges Fürstentum, seine Herrscher machten sich einen Namen als Förderer des Minnesangs und als Kreuzfahrer. Der Sitz der Landgrafen befand sich auf der Wartburg in der Nähe von Eisenach. Von den Landgrafen ging Thüringen an das Haus der Wettiner über, das die Markgrafschaft Meißen regierte. Im 15. Jahrhundert fiel auch das Herzogtum Sachsen an die Wettiner. Als 1485 das Herzogtum Sachsen geteilt wurde, fiel der größte Teil von Thüringen an die Linie der Ernestiner, ein kleinerer an die der Albertiner. Der ernestinische Teil wurde in den folgenden Jahrhunderten in bis zu zehn Herzogtümer aufgespaltet, der albertinische fiel 1815 an Preußen. Erst 1920 vereinigten sich vier ernestinische Herzogtümer der Fürstenhäuser Reuß und Schwarzburg zum Bundesstaat Thüringen mit der Hauptstadt Weimar. Dieses Land existierte bis 1933, als die deutschen Länder nach der Machtübernahme der NSDAP gleichgeschaltet wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg lag Thüringen in der Sowjetischen Besatzungszone. In der DDR erhielt es 1949 den Status eines Landes. 1952 wurden die Länder jedoch wieder aufgelöst. Mit dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik wurde das Land Thüringen im Oktober 1990 wiederhergestellt und Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nach den Landtagswahlen vom Oktober 1990 bildeten die Christlich-Demokratische Union (CDU) und die Freie Demokratische Partei (FDP) eine Koalitionsregierung, der ab 1992 Bernhard Vogel als Ministerpräsident vorstand. Nachdem die FDP bei den Parlamentswahlen vom Oktober 1994 an der Fünfprozentklausel gescheitert war, einigten sich CDU und SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) auf die Bildung einer Koalitionsregierung unter der Leitung von Bernhard Vogel. Bei den Parlamentswahlen vom September 1999 erreichte die CDU die absolute Mehrheit und regiert nunmehr in Thüringen alleine.